Jetzt bin ich aber mal dran!

Sicherlich kennst du diese Situation auch als Mutter. Wir versuchen alles Best mögliche für unseren Nachwuchs zu machen. Fahren sie zum Sport- und Musikunterricht, unterstützen sie finanziell in Ausbildung und Studium, verarzten kaputte Knie, ermöglichen ihnen viel Spaß und Freizeitvergnügen, tolle Klamotten und vieles mehr und stellen unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche hinten an. Vor einiger Zeit habe ich buchstäblich mit der Faust auf den Tisch gehauen und gebrüllt: „Jetzt bin ich aber mal dran!“

Jetzt bin ich aber mal dran!

Warum es zu meinem Ausbruch kam, weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich denke, über die Jahre hat sich da etwas unterbewusst angestaut, was sich nun einfach mal entladen musste. Ich liebe meine Kinder sehr und ich bin unendlich dankbar für diese tollen drei Geschenke, die mir das Leben gemacht hat. Ich wollte immer Kinder haben, so lange ich denken kann und mir war auch bewusst, dass ich für sie gern auf einiges verzichten würde, meine eigenen Bedürfnisse zumindest eine Zeit lang hinten anstellen würde. Ganz selbstverständlich habe ich meinen damaligen Beruf und meine Karriere an den Nagel gehängt, um für meine Kinder voll da zu sein. Ebenso selbstverständlich habe ich auf frühere Aktivitäten wie Ski laufen,  segeln, Motorrad fahren, spontane Kurzreisen und wilde Nächte in Clubs, Bars etc. verzichtet. Eine lange Zeit habe ich es auch nicht vermisst. Dann wurden die Kinder größer und ich hätte vielleicht das ein oder andere Hobby wieder aufnehmen können, doch a) war davon meiner Partner nicht begeistert b) war das Geld immer knapp und c) hatten die Kinder stets neue, auch kostspielige Wünsche. So  ermöglichten wir ihnen verschiedene Sportarten auszuprobieren und auszuüben und ich stand als „Hockey- und Fußballmutter“ mehr am Spielfeldrand oder habe mich dort engagiert. Ich habe Camps mit ausgerichtet, bin zu Wettkämpfen und Spielen mitgefahren, habe für die Mannschaft gekocht und gebacken. Auch im Kindergarten gehörte ich zu den engagierten Müttern. Ich habe zum Beispiel dort den Gruppenraum neu lasiert, war bei den Festen und Veranstaltungen immer an der „Front“ und es ging dann nahtlos in die Schulzeit über.  Auch gehörte ich immer zu jenen Menschen, die anderen das größere oder bessere Stück Kuchen überlassen haben, die freiwillig auf schlechten Plätzen Platz nahmen, damit andere es bequemer hatten oder damit sie besser sehen konnten. Sicherlich ist hier auch ein Grund, die Erziehung die ich selbst genossen habe. Doch irgendwann spürte ich, machte mich das nicht nur glücklich bzw. bereitete mir gute Gefühle sondern es kam eine latente Unzufriedenheit auf.

In einer Gemeinschaft ist der Interessenausgleich nicht immer einfach. Denn wer nie schaut, was sein Gegenüber braucht, haben möchte oder sich wünscht, gilt als gnadenloser Egozentriker. Dieser Mensch mag zwar vielleicht erfolgreich sein, dafür aber kaum sozial und sympathisch wahrgenommen werden. Doch wenn man immer nur verzichtet, ohne je auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, ist dies auch nicht gesund. Man schadet sich und tut anderen unter Umständen damit noch nicht einmal einen Gefallen. Warum nicht auch mal anderen Menschen den schlechten Platz zumuten? Warum nicht auch mal das letzte Stück Torte für sich beanspruchen? Warum nicht auch die Hobbies der Kinder begrenzen und dafür etwas für sich tun? Vielleicht braucht man den Platz auch nur, weil einem sonst später Hals- und Rückenschmerzen plagen, das Stück Torte weil man noch hungrig ist, den Sport zum Ausgleich für die stressigen Momente. Es ist einfach wichtig, für sich selbst zu sorgen. Man kann auch sagen: Tu es selbst, sonst tut es keiner!. Menschen mit wenigen Bedürfnissen bzw. Forderungen werden gern übersehen. Und ihre Haltung wird oft nicht wertgeschätzt. Einige unter uns machen oft Bemerkungen wie „Das wäre doch nicht nötig gewesen“ oder „Für mich muss man nicht solchen Aufwand betreiben“ etc. Hinter diesen Bemerkungen steckt nicht nur Verzicht aus freien Stücken sondern oft auch die Sehnsucht Bestätigung zu bekommen. Ja, du bist es wert. Du bist es wert, dass es auch dir gut geht. Für dich lohnt sich alles! Alle Menschen sehnen sich nach dieser Bestätigung und sie sollte auch befriedigt werden. Damit jeder von uns merkt, wie wichtig er ist und wie gut es tut, wichtig auch für andere zu sein. Erst mit dieser Erfahrung, diesem elementaren Gefühl kann er auch nobel und liebevoll mit anderen umgehen. Erst dann kann man großzügig sein und aus reiner Empathie einem anderen den besseren Sitzplatz überlassen, weil dieser z.B. aufgrund seiner Statur dann besser sehen kann.

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Es muss also immer eine gute Balance zwischen geben und nehmen – dem Verzicht/Rücktritt und dem Vortritt, geben. Und man muss und sollte sich nicht ständig rechtfertigen (müssen) und ständig Gründe für die eigenen Wünsche anführen. Sondern man sollte gerade in einer Gemeinschaft ganz klar und deutlich seine Wünsche kommunizieren. Es ist nicht unanständig, selbst etwas zu wollen – auch von anderen nicht. Daher rate ich allen Frauen auf ihre innere Stimme zu lauschen und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse ernst zu nehmen und auch mal in der Vordergrund zu stellen. Wenn es dir gut geht, du mit dir und deinem Leben zufrieden bist, strahlst du dies auch aus und es färbt auf andere, zum Beispiel auf deine Kinder, ab. Kinder wünschen sich eine zufriedene, glückliche und gesunde Mama und sie sollten rechtzeitig lernen, dass alle in der Familie ein Recht haben, dass ihre Bedürfnisse und Wünsche wahrgenommen und manchmal auch erfüllt werden. Heute gebe ich den anderen etwas und morgen nehme ich gern etwas entgegen. Die beiden Waagschalen sollten immer ausgewogen sein.

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Wann hast du das letzte Mal etwas nur für dich und dein Wohlbefinden gemacht?

Was war der letzte Wunsch, den man dir erfüllt hat?

Ist bei dir das Geben und Nehmen ausgeglichen?

Ich würde mich über Beiträge – Kommentare sehr freuen. Lass uns bitte in den Austausch kommen.

 

 

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